Der dritte Morgen in der Wildnis beginnt genau wie alle anderen - bei klarem Himmel und bester Sicht. Es ist klirrend kalt und die Handschuhe bleiben die ersten Kilometer besser dran ... Mir gelingt vorm Aufbruch aber noch ein schickes Panorama - einmal herum in 17 Bildern.
Die Stimmung ist sensationell, als ich paar Minuten vor den anderen aufbreche. Jeder Morgen ist schöner als der vorherige! Es herrscht ein ganz besonderes Licht, die Sonne steigt nur langsam über die Berggipfel rechts auf. Und bis auf uns ist absolut *niemand* unterwegs!
Eine Rentierherde hetzt etwa 20 Meter vor uns über den Weg - wenn die wüssten, dass wir genug eigenes Essen dabei haben ... Wir sind jetzt wieder zusammen unterwegs und nach dem obligatorischen Strecksprung-Gruß bei 66,66 km sehen wir schon unser Frühstückslokal. Neben einer Hängebrücke über einen reißenden Fluss ist eine schöne Wiese, wo wir gleich mal die Zelte zum Trocknen ausbreiten und es uns richtig gemütlich machen. Seit dem Start sind anderthalb Stunden vergangen. Ich bin natürlich wieder der erste, der ins Wasser springt (ich liebe Farbe und Temperatur von Gletscherflüssen). Ringsum regt sich auch so langsam Leben bei den anderen Zelten.
Nach dem Frischmachen gibt es Frühstück. Einer von uns hat ne Packung Pfannkuchen mit Äpfeln dabei ... "Etwas Fett in der Pfanne erhitzen, portionsweise Teig zugeben, beidseitig knusprig backen". Haha, Pfanne, haha :o) Nach über einer Stunde geht es weiter. Wir beginnen nun auch endlich (alle), die Zeit intensiver zu genießen! Jetzt, nach der Hälfte, merkt man irgendwie schon, wie schnell alles vorbei geht. Und was sind denn schon 50 km, die bleiben?
Wir bewegen uns nun weiter Richtung Nordosten und sehen bald die Alesjaure-Hütte, den vorletzten Checkpoint auf dem Weg.
Es ist immer noch toll, aber es sind auch relativ viele Leute unterwegs. Der Morgen heute wird aber unschlagbar sein! Die Station ist richtig hübsch, liegt auf einem Hügel an einem Fluss. Wir ruhen uns recht lange aus und Henry und ich kaufen richtiges Essen - Nudeln und Carbonara-Soße und, natürlich, Pripps Bla ;) Das letzte Essen im Freien wollen wir heute zelebrieren.
Wir diskutieren ziemlich herum, wie wir weitermachen. Ich kriege nämlich echt langsam Panik, dass es zu schnell vorbei ist und habe absolut keine Lust, morgen Vormittag schon im Ziel zu hocken! Nachdem ich erstmal den Henry überzeugt habe, kriegen wir das Prinzenpaar auch noch rum ;) Also heute etwa 20-25 km gehen, damit morgen nochmal soviel übrig sind und heute vor allem nochmal oben im Gebirge übernachten und nicht bei den Mücken im Tal.
Es geht jetzt einige Kilometer an ganz netten Seen entlang, aber der Weg ist schon komisch. Die Füße und der Rücken tun mir heute auch extrem weh und so taufen wir den Weg hier bald auf "Aschlochweg". Und da wir professionelle Sverige-Speaker sind, denken wir mal, dass "Arslugsleden" passen müsste.
Es ist eine Plackerei ohnegleichen! Das Wetter kann sich nicht entscheiden, ob wir Hardshell oder Softshell tragen sollen, es fliegen üble kleine Mistviecher rum, die Vegetation ist so hübsch wie in der Lausitz, der Weg geht kilometerlang geradeaus und gut einsehbar durch trostlose Heide! 20 km sind endlich geschafft - und was ist? Kein Wasser weit und breit. Wir müssen weiter :( Und so geht es noch endlose 5 km, bis wir im Tal endlich einen Bach sehen. Zwischen hässlichen Büschen geben wir endlich auf und finden einen Platz fürs Zelt.
Die Idee mit der Mückenfreiheit klappt auch nicht richtig und das Feuer dagegen wird uns ständig ausgeblasen. Aber dann passiert es! Das Bier ist kalt und die Nudeln sind heiß! Alles ist wieder gut ;) Mit Henry gibt es noch einen brutalen Verteilungskampf um das leckererste Essen, was sich ein Mensch vorstellen kann (er gewinnt leider mit leichtem Vorsprung, weil es zwischen drin mit Regnen anfängt).
So erleben wir an diesem Tag die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen. Und trotzdem, jetzt, wo es geschafft ist, sind wir sehr zufriedene Menschen.
Montag, 10. August 2009
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